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Wieso wir (wieder) kein Karneval feiern

Da uns viele Gäste fragen, ob/wie wir an Karneval geöffnet haben, hier ein Statement zu unserer Entscheidung.
TL;DR: Wir bleiben Weiberfastnacht und Rosenmontag geschlossen und öffnen lediglich am Freitag und Samstag. Wir feiern allerdings explizit KEINEN Karneval! Musik, Bar und Barkeeper (und auch Preise) bleiben wie an jedem anderen Wochenende.

Wieso nicht endlich wieder Karneval? Das liegt am Sperrkonzept der Stadt, das die Stadt seit 2018 umsetzt und die Zugangsbeschränkungen, die den Weg ins Kwartier Latäng enorm erschweren.

Zunächst: wir selbst lieben Karneval!
Ausgelassenes Schunkeln und Tanzen, freudiges Feiern mit teilweise wildfremden Leuten, gute Laune und das ein oder andere Kölsch sorgen für gute Stimmung im Laden – sowohl vor als auch hinter der Theke. Dazu eine Menge lustige oder beeindruckende Kostüme und einfach Köln im Ausnahmezustand mit riesigem Rosenmontagsumzug mit kreativen Wagen die der Politik den Spiegeln vorhalten… Köln ist Deutschlands Karnevals-Hauptstadt und wir waren (und wären gern wieder) ein Teil davon.

Zülpicher Straße als Karnevals-Ballermann

Für alle die es nicht wissen: die benachbarte Zülpicher Straße ist seit Jahren Treffpunkt für alle, die gerne „Straßenkarneval“ feiern. Das heißt hier leider: saufen bis zum Erbrechen, urinieren wo auch immer es grad geht und sich auch anderweitig daneben benehmen. Die Zeitungen werden auch diesmal wieder voll davon sein. Das, was auf der Zülpicher Straße passiert ist kein Karneval, es ist Ballermann.

Die volle Zülpicher Straße an Karneval

Die Feierwütigen aus dem Umland scheint dies nicht zu stören: zuletzt am 11.11.2022 war „die Zülpicher“ voller als je zuvor. Voll war die Straße an Karneval auch schon vor 2018. Man konnte dem Ganzen in den Kneipen aber noch entkommen, auch wenn der Weg bis dahin schon ein Spießrutenlauf zwischen Alkoholleichen und menschlichen Exkrementen war. Doch die Stadt hat seit 2018 ein Sperrkonzept entworfen das lautet: ist die Zülpicher voll, sperren wir das gesamte Veedel ab. Und damit unter anderem auch die Kyffhäuserstraße auf der wir sitzen. Ab diesem Zeitpunkt kommt niemand mehr zu uns, der nicht schon im Veedel ist. Und das passiert gerne schon mittags…
Die feiernde Meute, die auf der Zülpicher in Unwesen treibt, will gar nicht in Kneipen. Sie will draußen ihre mitgebrachte Mische aus 1,5l PET-Flaschen trinken. Das kann man machen, unser Laden – und auch viele andere – bleibt dadurch aber leer. Oder zumindest deutlich leerer, als er es 2016 oder 2017 noch war. Und damit schwinden natürlich – neben der Stimmung – auch die Umsätze.

Karneval ist ein riesiger Aufwand

Wir müssen alle Möbel wegräumen, Fernseher und Konsolen sichern, knapp 150 Quadratmeter schmücken, brauchen eine Einlasskontrolle und diverse Leute hinter der Theke. Zwischendurch und nach der Sause muss mehrfach geputzt und alles wieder zurückgebaut werden. Eine Woche Karneval verschlingt gerne so viele Personalkosten wie drei normale Wochen. Früher war der Umsatz das wert denn natürlich wird an Karneval auch viel und gerne getrunken. Seit 2018 ist das anders. Wo keine Leute hinkommen wird auch nicht getrunken.

Ist es das noch wert?

Natürlich kann man bei Personalkosten gegensteuern. Man kann nur zwei Personen hinter die Theke stellen statt drei. Man kann später öffnen und früher schließen. Aber manche Sachen, wie Deko, Einlasskontrolle oder Putzen kann man nicht weglassen. Und der Dreck einer halbvollen Bar an Karneval übersteigt trotzdem immer noch den eine rappelvollen Bar an einem normalen Samstag.
Karneval ist darum inzwischen mit einem enormen Risiko verbunden. Soll man wirklich öffnen, Stress und Kosten verursachen und dann vielleicht ein fettes Minus einfahren?
Und selbst wenn man ein Plus erwirtschaften sollte muss man sich irgendwann fragen: ist das diesen Aufwand wert? Tagelanges schmücken, hin- und herräumen und mehrfaches putzen um dann nach einer Woche mit ein paar hundert Euro Gewinn herauszukommen die man sonst an einem normalen Samstag macht? Stattdessen könnte man auch den Laden eine Woche lang optimieren und die Angestellten im Home-Office arbeiten lassen. Dann geht man gestärkt und erholt aus dieser sonst nur deprimierenden Woche.

Der Versuch des Mittelwegs

Wir werden also Freitag und Samstag öffnen und hoffen, dass sich die ein oder andere Seele zu uns verirrt. Wir feiern aber keinen Karneval, das heißt es läuft unsere normale Musik, es gibt wie immer Konsolen und wir werden uns auch nicht verkleiden. Auch die Öffnungszeiten sind von 19 bis 3 Uhr die gleichen wie sonst.
Das alles verbunden mit der Hoffnung, dass die Leute an diesen – meist eher schwachen „Karnevalstagen“ – auch ins Veedel kommen und wir nicht zu viele Alkoholleichen abbekommen, die um diese Uhrzeit schon den ganzen Tag gefeiert haben.

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